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Liebe Leserinnen, liebe Leser,
wir freuen uns, Ihnen hiermit die Ausgabe 3/2011 der Zeitschrift für Inklusion – Inklusion-online.net präsentieren zu können. Das aktuelle Heft widmet sich schwerpunktmäßig der Ausbildung von PädagogInnen im Kontext von Inklusion. Mit dem Inkrafttreten der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung (vgl. UN 2006) steht die Aus-, Fort- und Weiterbildung pädagogischer Berufe auf dem Prüfstand. Allerdings lassen sich dabei im deutschsprachigen Raum wie international durchaus unterschiedliche Ansätze und Geschwindigkeiten beobachten. Unterschiede bestehen sowohl in den konzeptionellen Ausrichtungen inklusiv orientierter Ausbildungen, als auch bezüglich der unterschiedlichen Handlungsfelder. Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass inklusive Handlungskompetenzen in der Aus-, Fort- und Weiterbildung zwar zunehmend inkorporiert werden, dass dies aber noch keineswegs überall in stringenter Weise und hinreichendem Maße geschieht.
Timm Albers befasst sich in seinem Beitrag Inklusion in den frühpädagogischen Studiengängen mit den Veränderungen in der Ausbildung frühpädagogischer Fachkräfte, die aus der steigenden gesellschaftlichen und bildungspolitischen Bedeutung der frühkindlichen Bildung resultieren. Neben der Ausbildung an Berufsakademien und Fachschulen existieren nach Inkrafttreten der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung (vgl. UN 2006) inzwischen bundesweit mehr als 70 Bachelor- und Masterstudiengänge im Bereich Frühpädagogik und Frühförderung. Der Autor überprüft anhand einer Analyse der Curricula frühpädagogischer Studiengänge, inwiefern und inwieweit Inklusion bereits als Bestandteil der Ausbildung an den verschiedenen Studienstandorten verankert ist und welche Kompetenzen die Absolventinnen und Absolventen frühpädagogischer Studiengänge im Zusammenhang mit Inklusion erwerben.
Mit der Ratifizierung der UN-Behindertenrechtskonvention ist die Entwicklung eines an Inklusion orientierten Schul- und Bildungssystems menschenrechtlich verankert. Dadurch ergeben sich für die föderale Bundesrepublik Deutschland nicht nur bildungspolitische Herausforderungen hinsichtlich der Struktur und Organisation der Bildungssysteme in den Bundesländern, sondern auch Herausforderungen in Bezug auf die konzeptionelle Gestaltung pädagogischer Ausbildungsgänge. Der Artikel Eigentlich nichts Besonderes – Lehrkräfte für die inklusive Schule ausbilden von Simone Seitz resümiert die Konsequenzen, die in Bremen im Bereich der universitären Lehrerbildung im Zuge der Reform der dortigen Schulgesetzgebung gezogen wurden. Sie stellt das an der Universität Bremen umgesetzte Kombi-Lehramt Inklusive Pädagogik vor und benennt konkrete Implikationen für die Ausbildung von Lehrkräften in einer inklusiven Schule.
Bettina Amrhein betont, dass sich die Inklusionsdebatte in unterschiedlichen gesellschaftlichen Kontexten etabliert und spätestens seit der Ratifizierung der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen nicht mehr überwiegend als Aufgabe der Sonder- und Heilpädagogik aufgefasst werden kann, sondern sich auf Disziplinen und Professionen in anderen Wissenschaften ausweitet und als gesamtgesellschaftlichen Aufgabe erkannt wird. Nur wenige Ergebnisse liegen hingegen bisher in Bezug auf den Aufbau einer inklusiven LehrerInnenausbildung vor. In ihrem Beitrag Inklusive LehrerInnenbildung – Chancen universitärer Praxisphasen nutzen stellt die Autorin am Beispiel Nordrhein-Westfalen vor, wie im Rahmen des neuen Lehrerausbildungsgesetzes, trotz Fortbestehens lehramtsgetrennter Studiengänge, inklusive Lerngelegenheiten für Studierende aller Lehrämter geschaffen werden können. Hierfür ermöglicht die Ausgestaltung der universitären Praxisphasen einen ersten Ansatz.
Kerstin Merz-Atalik und Thomas Franzkowiak stellen das Projekt Teacher Education for Inclusion (TE4I) – Lehrerbildung für Inklusion, der European Agency for Development in Special Needs Education vor. Im Zusammenhang mit der Realisierung inklusiver Bildung und Erziehung im Sinne der UN-Behindertenrechtskonvention hat die Lehrerausbildung höchste Priorität – eine Aussage, der die Mitgliedsstaaten der European Agency for Development in Special Needs Education uneingeschränkt zustimmen. Auf dieser Grundlage hat die European Agency das Projekt Teacher Education for Inclusion konzipiert. Das zwischen 2009 und 2012 durchgeführte Projekt zielt darauf ab, erste Antworten auf die Fragen zu finden: Welche LehrerInnen werden für eine inklusive Gesellschaft in der Schule des 21. Jahrhunderts benötigt? Was sind die grundlegenden und entscheidenden fachlichen Kompetenzen für inklusive Bildung? Im Fokus steht dabei vor allem die erste Ausbildungsphase von Lehrerinnen und Lehrern an allgemeinen Schulen. Im Verlaufe des Projekts wurden umfassende Literaturrecherchen unternommen, Länderberichte und ein darauf aufsetzender Bericht erstellt, mit dessen Hilfe die derzeitige Situation der inklusionsorientierten pädagogischen Ausbildung im europäischen Vergleich betrachtet werden kann. Im Frühjahr 2012 soll das Projekt mit Empfehlungen für eine an Inklusion orientierte pädagogische Ausbidung und einem inklusiven Kompetenzprofil für LehrerInnen abgeschlossen werden.
Ewald Feyerer befasst sich in seinem Beitrag Konzeptionelle Überlegungen zur momentanen Diskussion um die Neugestaltung der LehrerInnenausbildung in Österreich mit der Frage, ob die Sonderschullehrer/-innenausbildung angesichts der Umsetzungsnotwendigkeit der BRK 2006 überhaupt noch sinnvoll sein kann. Mit der Ratifizierung der UN-Konvention einschließlich des Fakultativprotokolls (BRK 2006) hat sich Österreich ebenso verpflichtet, ein inklusives Bildungssystem auf allen Ebenen zu gewährleisten und ab sofort konkret anzustreben. Zunächst wird die aktuelle Situation in Österreich skizziert und anschließend begründet, weshalb auch ein inklusives Schulsystem statt SonderschullehrerInnen gut ausgebildete PädagogInnen mit sonderpädagogischen Kompetenzen benötigt. In einem weiteren Schritt wird dargelegt, welche Kompetenzen allen LehrerInnen sowie den auf sonderpädagogische Bereiche „spezialisierten GeneralistInnen“ in der Ausbildung vermittelt werden müssten und wie die BehindertenpädagogInnenausbildung für ein inklusives Schulsystems strukturiert sein könnte. Darüberhinaus wurde der Bericht zur Situation in Niedersachsen von Jessica M. Löser und Rolf Werning zur der Liste der Länderberichte in Heft 2 hinzugefügt. Die weiteren geplanten Themenschwerpunkte der folgenden Ausgaben:
Inklusion braucht Strukturwandel: Policy making – Change Management – Gestaltung von Veränderungsprozessen – Organisationsentwicklung (Heft 4/2011)
Zum Begriff der Inklusion
Didaktik im Kontext von Inklusion
Carmen Dorrance für die Redaktion von Inklusion-Online |
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| Veröffentlicht: 2011-11-26 | |
Nr. 3 (2011)
Inhaltsverzeichnis
Beiträge
Timm AlbersInklusion in den frühpädagogischen Studiengängen
Simone SeitzEigentlich nichts Besonderes – Lehrkräfte für die inklusive Schule ausbilden
Bettina AmrheinInklusive LehrerInnenbildung – Chancen universitärer Praxisphasen nutzen
Kerstin Merz-Atalik Thomas FranzkowiakEwald Feyerer




