Mitteilungen

Editorial

 

Liebe Leserinnen und Leser!
Wir freuen uns, Ihnen die Ausgabe 3/2010 der Zeitschrift Inklusion Online zu präsentieren. Diese Ausgabe ist dem Themenschwerpunkt „Inklusive Elementarpädagogik“ gewidmet. Zu diesem Thema liegen zehn Beiträge aus dem In- und Ausland vor. Ergänzt werden diese durch die Fortführung des Themenschwerpunkts der letzten Ausgabe – Internationale Perspektiven –  durch die beiden Beiträge zur Bildungssituation in zwei Staaten Afrikas. Darüber hinaus finden Sie die Rubriken „Rezensionen und kommentierte Links“, „Aktuelles“ sowie „Kontrovers“.

Den Auftakt macht der Artikel von Maria Kron mit einer grundsätzlichen Reflexion zum Umgang mit Heterogenität, in dem sie die Dialektik von Gleichheit und Verschiedenheit als Grundfigur inklusiver Pädagogik im Elementarbereich zum Ausgangspunkt ihrer Überlegungen macht. Ferdinand Klein diskutiert in seinem ebenfalls grundlegenden Beitrag die UN-Behindertenrechtskonvention als verbindlichen Handlungsrahmen der Arbeit in der Kindertagesstätte.

In unterschiedlicher Weise thematisieren die folgenden Artikel Fragen der Qualität inklusiven elementarpädagogischen Arbeitens.

Birgit Papke stellt ein Fallbeispiel in das Zentrum ihres Beitrags, an dem sie zeigt, wie der Bildungsauftrag der Kindertagesstätte in einem inklusiven Arrangement realisiert werden kann. An diesem Beispiel illustriert sie die Chancen, diskutiert aber auch die Risiken der in den meisten Bundesländern eingeführten Bildungspläne für den Elementarbereich.

Die Partizipation von Eltern und Kindern stellt für Sabine Lingenauber ein Schlüssel zur Verbesserung der Bildungsqualität für alle Kinder dar, wie sie in ihrem Beitrag zu den Erfahrungen aus dem Projekt TransKiGs zum Übergang von der KiTa in die Schule zeigt.

Andrea Platte gibt am Beispiel konkreter Einrichtungen Anregungen zu einer qualitativen Begleitung des Ausbaus frühkindlicher Bildung - wobei die Orientierung an der Leitidee der Inklusion verspreche, ein spezifisches Problem des deutschen Bildungssystems zu bewältigen, nämlich das der sozialen Aussonderung.

Stephanie Schür diskutiert in ihrem Beitrag die Frage, ob und wie sich die Inklusionpädagogik von den Konzepten des „Diversity Managements“ anregen lassen kann. Trotz des betriebswirtschaftlichen Hintergrunds des Diversity Management macht sie so deutliche strukturelle Übereinstimmungen mit den Grundideen der Inklusion aus, dass es gewinnbringend sei, beide Ansätze gemeinsam zu denken und die jeweiligen Vorteile füreinander nutzbar zu machen.

Ein besonderes Augenmerk auf die Bedürfnisse von Kindern mit Behinderung im Krabbelstubenalter richtet Robert Trippel. Er geht hier sowohl auf die Rahmenbedingungen ein, betont aber vor allem Bereitschaft von PädagogInnen zur Auseinandersetzung mit der eigenen inneren Haltung und emotionalen Beteiligung als zentrale Gelingensbedingung integrative Gruppenprozesse.

„Besorgte Nachfragen zur Debatte um die Elementarpädagogik“ stellen Manfred Gerspach und Thilo Naumann  am Ende dieses Themenblocks. Die beiden Autoren sehen in der gegenwärtigen Bildungsdebatte im Vorschulbereich die Gefahr, Kindheit mit Wissensansprüchen und Verhaltensnormen derart zu überfrachten, dass sie den kindlichen Entwicklungsbedürfnissen dieses Lebensabschnitts diametral zuwider laufen. Und so könne es gar nicht verwundern, dass Kinder mit Beeinträchtigungen emotionaler, geistiger oder körperlicher Art in dieser Debatte gar keine oder allenfalls eine –  politisch korrekte  – randständige Erwähnung fänden.

Zwei Beiträge aus Frankreich beziehungsweise aus Portugal erweitern das Bild um Erfahrungen aus dem europäischen Ausland.
Aliette Vérillon und Brigitte Belmont berichten von der Implementierung inklusiver Elementarpädagogik in Frankreich. Die beiden Autorinnen konzentrieren sich hier auf Prozesse der professionellen Kooperation, die sie als zentrale Voraussetzung des Gelingens inklusiver Pädagogik ausmachen.
Schließlich stellt der Beitrag von Isabel Carvalho Viana und Ana Maria Serrano aus Portugal die inklusive Elementarpädagogik in den weiteren Kontext gesellschaftlicher Veränderungsprozesse, insbesondere den sich aus der Globalisierung ergebenden sozialen Herausforderungen.

In Fortführung des Themenschwerpunkts der letzten Ausgabe „Internationale Perspektiven auf Inklusion“ haben wir hier zwei Beiträge aufgenommen, die sich mit der Situation zweier afrikanischer Staaten auseinandersetzen.

Joachim Schroeder analysiert in seinem Beitrag „Exklusionsrisiken und Inklusionsbemühungen“ in dem südost-afrikanischen Staat Malawi, einem der ärmsten Länder der Welt. Er zeigt hier die Probleme des Konzepts der „Bildung für alle“ auf und formuliert zugleich eine deutliche Kritik der deutschen Bildungspolitik in Entwicklungsländern.
Und auch Burkina Faso zählt zu den ärmsten Ländern der Welt, aus dem Reinhard Markowetz berichtet. Er zeigt am Beispiel eines ermutigenden Modellprojekts, dass die „Gemeinsame Erziehung, Bildung und Förderung von Kindern mit und ohne Behinderungen“ auch unter diesen extrem schwierigen Bedingungen gelingen kann.
Schließlich finden sich unter den Rubriken

  • Rezensionen und kommentierte Links:
    eine von Gottfried Wetzel zusammengestellte Sammlung einschlägiger Beiträge zum Themenschwerpunkt „Elementarpädagogik“;
  • Aktuelles:
    ein von Brigitte Schumann geführtes Interview mit Marianne Schulze, der Vorsitzenden des österreichischen Monitoringausschusses;
  • Kontrovers:
    der Beitrag Udo Sierck mit den Titel „Disability Studies – fundiertes Wissen“, eine Replik auf den in der Ausgabe 2/2009 der Zeitschrift für Inklusion veröffentlichten Artikel von Hans Wocken:  „Disability Studies contra Integration“.

Als Themenschwerpunkte der folgenden Ausgaben sind geplant:
Heft 4/2010:
Armut
Heft 1/2011:
Gender
Heft 2/2011:
Stand der Umsetzung der UN-Konvention
Heft 3/2011:
Ausbildung für Inklusion
Heft 4/2011:
Inklusion braucht Strukturwandel: Policy - Change management - Gestaltung von Veränderungsprozessen – Organisationsentwicklung

Dieter Katzenbach
für die Redaktion von Inklusion-Online

 
Veröffentlicht: 2010-07-24 Weiter...
 
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