Zeitschrift für Inklusion, Nr. 3 (2010)

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Reinhard Markowetz: Inclusive Education Bildungsinitiative – Aktionsplan – Modellprojekt für Gemeinsame Erziehung, Bildung und Förderung von Kindern mit und ohne Behinderungen/Lern-schwierigkeiten in Burkina Faso/Westafrika

Ausgabe: 3/2010

Inhaltsverzeichnis
  1. Bildung für alle – Kinderrecht und Menschenrecht!
  2. Der Aktionsplan für ein inklusives Modellprojekt und einen landesweiten Modellversuch in Burkina Faso
  3. Zwischenbilanz
  4. Literatur
  5. Informationen und Kontakt


 

 

… ein Entwicklungsprojekt von

  • Prof. Dr. Reinhard Markowetz, Katholische Fachhochschule Freiburg, Real- und Sonderschullehrer, Pädagoge und Entwicklungsaktivist aus Deutschland
  • Dipl. Ing. Diébédo Francis Kéré, Technische Universität Berlin, freier Architekt und Entwicklungsaktivist aus Burkina Faso – internationaler Architekturpreis 2004 „Aga Khan Award for Achitecture“ für  nachhaltigen Schulbau in Burkina Faso (www.kere-architecture.com)

in Kooperation mit

Um die Lebens- und Bildungssituation für alle Kinder in Burkina Faso, einem der ärmsten Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen (UN) nachhaltig zu verbessern und die Rechte aller Kinder entscheidend zu stärken, will die gemeinnützig anerkannte Körperschaft „Centre St. Martin e.V.“:

  • Bildung stiften
  • Gesundheit fördern
  • Zukunft gestalten
Gemeinsam im Dialog mit den Menschen in Burkina Faso soll deshalb ein Schul- und Ausbildungszentrum, das Centre St. Martin als Modelleinrichtung für eine inklusive Schulentwicklung in Burkina Faso geplant, 2011 gebaut und bis 2012 in Betrieb genommen werden.

1.      Bildung für alle – Kinderrecht und Menschenrecht!


Burkina Faso, „das Vaterland der aufrichtigen Menschen“ stand bis 1960 unter der Kolonialherrschaft von Frankreich. Bis zur Unabhängigkeit im Jahre 1984 hieß der westafrikanische Staat Haute-Volta (Over-Volta). Bereits am 20.09.1960 ist das heutige Burkina Faso den Vereinten Nationen beigetreten, gilt mit einem mittleren Bruttoinlandsprodukt im Jahr 2007 von 307 € pro Kopf und Jahr und im Spiegel der Statistiken der Weltbank unter den Mitgliedsstaaten aber noch immer als eines der ärmsten Länder der Welt. In Burkina Faso, das als Binnenland im Sudangürtel selbst keinen Zugang zum Meer hat und das demzufolge am Rande der Sahelzone eine lange Trockenzeit und eine kurze Regenzeit erlebt (Trockensavanne) und über keine Bodenschätze verfügt, bestimmen Ackerbau und Viehhaltung bei gleichzeitiger Wasserknappheit das Leben der Menschen. Vor allem in den ländlichen Regionen in Burkina Faso sind noch immer mehr als 90% der Bevölkerung von großer Armut betroffen. In einem Land, in dem die Bevölkerung unter der absoluten Armutsschwelle lebt, in dem 50% der Menschen unter 15 Jahre alt sind, das Bevölkerungswachstum bei jährlich 3,1% liegt und etwa 91% der Frauen und 82% der Männer selbst Analphabeten sind (vgl. GTZ 2008, Schulbausteine für Gando e.V. 2008), ist es außerordentlich schwer ausreichend Schulen aus eigener Kraft zu bauen, sie Instand zu halten und die laufenden Betriebskosten aufzubringen.

Zugang zu Bildung und Ausbildung ist ein Privileg. Kinder, die hier geboren werden haben nur wenige Chancen auf Bildung und Entwicklung. In der Regel kann eine Familie nur für 1 Kind von durchschnittlich 6,9 Kindern pro Familie das Geld für den Besuch einer Schule aufbringen. Dennoch sind die funktionsfähigen Schulen mehr als ausgelastet, die Großraum-Klassenzimmer karg ausgestattet und überfüllt. Neben dem aufzubringenden Schulgeld regeln andere, utilitaristische Selektionskriterien den Schulbesuch. Für Mädchen, sozial benachteiligte, insbesondere Kinder mit Behinderungen und
solche Kinder, die beim Lernen Probleme haben und die Pädagogik herausfordern, ist kein Platz. So erstaunt nicht, dass nach wie vor schlimme Formen der Kinderarbeit und des Kinderhandels schicksalhaft das Leben vieler Kinder bestimmen. Aber auch Erwachsene sind gezwungen in den angrenzenden Staaten wie Togo, Ghana, Benin und der Elfenbeinküste Geld dazu zuverdienen, um das Überleben der Familie zu sichern. Mehr als 3 Millionen der insgesamt etwa 17 Millionen Menschen in Burkina Faso, leben und arbeiten deshalb im Ausland. Bildung ist die größte und bislang nur unzureichend genutzte Ressource in Burkina Faso. Schulbildung und Ausbildung für alle Kinder ist deshalb Ausgangspunkt und Basis für jegliche soziale, berufliche und wirtschaftliche Entwicklung des Landes. Gerade in einem so kinderreichen und geburtenstarken Land wie Burkina Faso, in dem zwar laut Verfassung jedes Kind das Recht auf eine Schulbildung hat, sind die Rechte der Kinder noch immer entscheidend zu stärken und konsequent praktisch umzusetzen.
Am 20.11.1989 hat die Generalversammlung der Vereinten Nationen eine richtungweisende Konvention über die Rechte des Kindes beschlossen (vgl. z.B. Liebel 2008), die auch von Burkina Faso unterschrieben wurde. Mit der Ratifizierung dieses völkerrechtlich verbindlichen Abkommens verpflichteten sich alle 192 Mitgliedstaaten erstmalig bürgerliche und politische Rechte mit sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Rechten zu vereinen, Kinder als eigenständige Rechtssubjekte anzuerkennen, die besten Interessen des Kindes (engl. ´best interests of the child´, dt. ´Wohl des Kindes´) bei allen Entscheidungen, dieKinder betreffen hinreichend zu berücksichtigen und ihren Kindern die über 54 Artikeln hinweg formulierten Schutzrechte, Rechte auf Förderung und Beteiligungsrechte einzuräumen und zu garantieren. Kinderrechte gelten für alle Kinder ohne jede Ausnahme. Der Artikel 2 der Konvention betont ausdrücklich: „Die Vertragsstaaten achten die in diesem Übereinkommen festgelegten Rechte und gewährleisten sie jedem ihrer Hoheitsgewalt unterstehenden Kind ohne jede Diskriminierung, unabhängig von der Rasse, der Hautfarbe, dem Geschlecht, der Sprache, der Religion, der politischen und sonstigen Anschauung, der nationalen, ethnischen oder sozialen Herkunft, des Vermögens, einer Behinderung, der Geburt oder des sonstigen Status des Kindes, seiner Eltern oder seines Vormunds“ (Hervorh. R.M.).
Folgerichtig haben auch Kinder mit Behinderungen in Burkina Faso ein uneingeschränktes Recht auf Schutz, Versorgung, Leistungsgewährung, Förderung und Partizipation. Insbesondere Rechte und Ansprüche auf Gesundheit, Bildung, angemessene Lebensbedingungen, Ernährung und Kleidung, eine menschenwürdige Wohnung und soziale Sicherheit. Der Artikel 23 der UN-Kinderrechtskonvention von 1989 unterstreicht deshalb mit Nachdruck die Verpflichtung, dass „Erziehung, Ausbildung, Gesundheitsdienste, Rehabilitationsdienste, Vorbereitung auf das Berufsleben und Erholungsmöglichkeiten den behin-
derten Kind tatsächlich in einer Weise zugänglich sind, die der möglichst vollständigen sozialen Integration und individuellen Entfaltung förderlich ist“. Die am 13.12.2006 in New York von der UN verabschiedete Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung führt konsequenterweise im Artikel 24 explizit das Recht auf ´Inclusive Education´ (inklusive Erziehung, Bildung und Förderung) aus (vgl. www.un.org/esa/socdev/enable). Da Burkina Faso als Mitglied der Vereinten Nationen am 23.Juli 2009 die New Yorker Konvention ratifiziert hat, ist zwar davon auszugehen, dass von staatlicher Seite das Recht behinderter Menschen auf Bildung prinzipiell anerkannt wird, wenngleich die Verwirklichung des Rechts ein ehrgeiziges Ziel begründet. Es existiert weder ein inklusives Bildungssystem noch eine Beschulungspraxis für Kinder mit Behinderungen an Sonderschulen. Gegenwärtig kann Burkina Faso als ´Vertragsstaat´ nicht nachhaltig sicherstellen, dass Kinder mit Behinderung in das allgemeine Bildungssystem einbezogen werden.
Vorsichtigen Schätzungen zufolge (vgl. Hoffmann/Wiegand 2001, 66) soll es in Burkina Faso etwa 140.000 Menschen mit Behinderungen geben. Rechnet man neben der größten Gruppe an Menschen mit Körperbehinderungen, den oft nicht mehr sesshaften, von Almosen abhängigen geistigbehinderten Erwachsenen (sog. Fous), blinden und gehörlosen Menschen noch die große Gruppe von Menschen dazu, die aufgrund von Mangelernährungen, ihres außerordentlich schlechten Gesundheitszustandes behindert werden, sozial benachteiligt sind und extrem negative Reaktionen aus der Gesellschaft erleben (z.B. unfruchtbare Frauen, genitalverstümmelte Mädchen oder anderweitig traumatisierte Menschen) dürften diese Zahl deutlich höher liegen. Vor dem Hintergrund der Internationalen Klassifikation von Funktionsstörungen (ICF) der Weltgesundheitsorganisation (vgl. WHO 2001) gehen Experten deshalb sogar von einem deutlich höheren Anteil an der Gesamtbevölkerung aus und weisen das soziale Problem „Behinderung“ mit 10% aus. Die UNDP (2001) beziffert allein die Kinder unter 5 Jahren, die unterernährt sind mit 33% und verweist damit auf die Notwendigkeit früher, präventiver Hilfen im Kontext frühkindlicher Bildung und interdisziplinärer Frühförderung.
Im Rahmen eines explorativen Pilotprojektes zur Situation behinderter Kinder in Burkina Faso (vgl. Markowetz 2001) konnten 2 Studentinnen der Pädagogischen Hochschule Heidelberg diese Annahme bestätigen. Die Studentinnenweilten nach ihrem 1. Staatsexamen für das Lehramt an Sonderschulen in Baden-Württemberg für 3 Monate im Rahmen eines vom DAAD geförderten Auslandspraktikums für das Erweiterungsstudium der Frühförderung in der Sonderpädagogik über den Partnerschaftsverein vermittelt als Projektmitarbeiterinnen in Garango, um in der Region Familien mit behinderten Kindern aufzusuchen und mit ihnen zu sprechen.. Bei ihren exemplarischen Feldforschungen zur sozialen und schulischen Situation von Kindern mit Behinderungen konnten sie in Erfahrung bringen, dass es in Burkina Faso vielfältige Behinderungs- und Ausprägungsformen gibt, die ein soziales, ungelöstes Problem in den Familien und Dörfern begründen und auch bezeugen, dass Kinder mit Behinderungen weder in die Grundschule eingeschult noch in Sonderschulen beschult werden.
Als ein Ergebnis dieser Studie und dieses Aufenthaltes resultierte der Bau und die Inbetriebnahme der Schwerhörigenschule in Bougoula mit 2 speziellen Außenklassen der Grundschule und etwa 30 hörbehinderten Kindern, die von zwei, für die sonderpädagogische Arbeit qualifizierten Lehrern seit 2005 unterrichtet werden. Die wenigen Hilfen für Menschen mit Behinderungen im Land beruhen ebenfalls auf privaten oder konfessionellen Initiativen, bleiben in ihrer flächendeckenden Reichweite vor allem für Kinder mit den unterschiedlichsten Behinderungen aber bis heute sehr begrenzt.
In erster Linie handelt es sich um Schulersatzlösungen, Werkstätten oder Behindertenzentren für eher Jugendliche und Erwachsene. Zu nennen sind beispielsweise das Centre des Handicapes in Garango der Mission Catholique, die Behindertenprojekte der Katrin Rohde Stiftung (www.sahel.de) und die gemeindenahen Rehabilitationsprogramme der österreichischen Christoffel Entwicklungszusammenarbeit Licht für die Welt (www.licht-fuer-die-welt.at). Ein Überblick über Vereine, Initiativen und Non-Profit-Organisationen in deutschsprachigen Ländern, die sich in und für Burkina Faso engagieren, bietet eine Internetplattform unter www.burkina.at.


Bildung in Schulen aber ist ein Menschenrecht! Bildung für Kinder mit und ohne Behinderung so früh wie möglich zu fördern ist deshalb eine zentrale Aufgabe großer Entwicklungspolitik und Anliegen konkret praktischer Entwicklungszusammenarbeit im Kleinen. In einem Land, in dem der Anteil der Kinder im schulpflichtigen Alter, die eine Grundschule besuchen nur 45% beträgt, überhaupt nur 22% der im Land lebenden 13,2 Millionen Einwohner lesen und schreiben können, 15% zur unterernährten Bevölkerung gehören, für 140.000 Menschen nur ein Arzt zur Verfügung steht, dessen Hilfe sofort bar zu bezahlen ist und nur 61% gesicherten Zugang zu Trinkwasser haben (vgl. UNDP 2001, BMZ 2008), stehen Kinder mit Lernschwierigkeiten und Behinderungen nach wie vor im Abseits und haben nur wenige Chancen zum Schulbesuch. Dem UNESCO Bericht „Inclusive Schools & Community Support Programmes“ (vgl. UNESCO 1999) der Ersten Phase der Entwicklungsbemühungen an Sonder- wie Regelschulen für Kinder mit Behinderungen ist zu entnehmen, dass sich die Förderung und Beschulung behinderter Kinder in Burkina Faso gerade mal auf vier nicht staatliche Institutionen beschränkt: eine Schule für junge blinde Personen, eine Schule für junge gehörlose Personen und zwei Zentren für Kinder mit geistiger Behinderung.
Bislang wurden nur zaghafte Anstrengungen bei der Integration von behinderten Kindern in das allgemeine Schulsystem unternommen und lediglich erste Erfahrungen bei Modellprojekten gemacht. Ansonsten hat das Land keine Expertise im Umgang mit Kindern, die einen besonderen Förder- und Bildungsbedarf haben. Im Rahmen der gemeinsamen Unterrichtung von behinderten Kindern in den 2 Modellklassen in 2 Kommunen des Landes zeigte sich, dass behinderte Kinder sozial integriert und akzeptiert werden, die Unterrichtung
von Kindern mit speziellen Erziehungs- und Bildungsbedürfnissen aber ein höheres Maß an Binnendifferenzierung sowie verbesserte Rahmenbedingungen einfordern, um ein methodisch angepasstes und individualisiertes Lernen in den regulären Klassen möglich zu machen. Insgesamt werden durchaus ähnliche Probleme beschrieben, wie sie die wissenschaftliche Begleitung der Modellprojekte zur gemeinsamen Beschulung und Unterrichtung auch in Deutschland hervorgebracht hat (vgl. Markowetz 2007).
Die ersten Erfahrungen inklusiver Beschulung in Burkina Faso (vgl. UNESCO 1999, 22-23) betonen nachdrücklich, dass die lange Marginalisierung von Behinderung und die vorurteilsgeladene Haltung gegenüber behinderten Kindern nun im Land vorbei sein müsse und die Erkenntnisse jetzt auf andere Schulen und Regionen zu übertragen sind. Schlussfolgernd wird deshalb aus den eigenen Reihen vehement gefordert, dass inklusive Schulen und Unterstützungsprogramme das Problem der Beschulung von Kindern mit einem speziellen Förderbedarf nun in den Blick zu nehmen haben und die Lehrerinnen und Lehrer im zweiten Jahr der nationalen Lehrerbildung in Burkina Faso auch in Sonderpädagogik für die inklusionspädagogische Arbeit qualifiziert werden müssen.
Gerade Burkina Faso, das keine oder nur wenige Sonderschulen und Sondereinrichtungen hat, sollte analog zum Aktionsrahmen zur Pädagogik für besondere Bedürfnisse der Salamanca Erklärung (vgl. UNESCO 1994) sein Hauptaugenmerk auf die Bildung für alle Kinder richten und die Entwicklung integrativer Schulen sowie spezieller Servicestellen flächendeckend voranbringen, statt weiter vereinzelt und eher zufällig Sonderschulen auf- und auszubauen, die letztlich nur einer urbanen Elite zur Verfügung stehen und insbesondere auf dem Land und vor dem Hintergrund hoher Kosten für Sonderschulen zu keiner Verbesserung der mit lediglich 1% bezifferten Beschulungsquote von behinderten Kindern führen würden. Bereits bestehende Sondereinrichtungen wie beispielsweise die im Jahr 2005 aus Fördermitteln des Partnerschaftsvereins Garango-Ladenburg gebaute und in Betrieb genommene Sonderschule für gehörlose und schwerhörige Kinder in Bougoula stellen dennoch eine wertvolle und wichtige Ressource für die Entwicklung inklusiver Schulen dar, weil sie bereits über behinderten- und rehabilitationspädagogisches Fachwissen verfügen und dieses sichern und über Weiterbildungen gezielt verbreiten helfen. Entwicklungs- und Nehmerländer wie Burkina Faso stehen bei der Lösung ihrer Bildungsprobleme allerdings grundsätzlich vor enormen Anstrengungen, die im Land nur verstanden und angegangen werden können, wenn sie sich zur Orientierung in einen verbindlichen Aktionsrahmen der Weltgemeinschaft einordnen und wieder finden lassen, zudem einen nationalen Plan zur Bildungsversorgung begründen können und Perspektiven für eine finanzielle und technische Unterstützung durch Geberländer schaffen.

Auf dem Weltbildungsforum in Dakar/Senegal der Vereinten Nationen im Jahr 2000 wurden deshalb die Herausforderungen und Ziele wie sie bereits 10 Jahre zuvor in Jomtien/Thailand als „World Declaration on Education for All“ verkündet, aber leider nicht erreicht wurden, von der UNESCO zusammen mit UNDP, UNFPA, UNICEF und der Weltbank erneuert (vgl. Baaden 2002). In einem internationalen Aktionsplan „Bildung für Alle“ dem 164 Ländern zugestimmt haben, wurden 6 Bildungsziele benannt, die nun bis zum Jahr 2015 zu erreichen sind:

  1. die frühkindliche Bildung soll ausgebaut und verbessert werden,
  2. alle Kinder sollen eine Grundschule besuchen können,
  3. die Lernbedürfnisse von Jugendlichen sollen abgesichert werden,
  4. die Analphabetenquote unter den Erwachsenen soll halbiert werden,
  5. das Geschlechtergefälle in der Bildung soll überwunden werden und
  6. die Bildungsqualität soll gesteigert werden.

Im Spiegel des UNESCO Weltbildungsprogramms (vgl. Deutsche UNESCO Kommission 2005), der Salamanca Erklärung und des Aktionsrahmens für Inclusive Education, wie er von der Weltkonferenz „Pädagogik für besondere Bedürfnisse: Zugang und Qualität“ bereits 1994 in Spanien von 92 Regierungen und 25 internationalen Organisationen unterzeichnet wurde (vgl. UNESCO 1994), der Millenniumsentwicklungsziele, wie sie am Übergang in das 21. Jahrhundert im September 2000 von Staats- und Regierungschefs aus 189 Ländern der Welt als globale Herausforderung und Agenda internationaler Politik beschrieben und anerkannt wurden (vgl. www.un.org/millenniumgoals) und des Aktionsplans von Dakar (vgl. Deutsche UNESCO Kommission 2002) lassen sich mit Blick auf das Entwicklungsprojekt in Burkina Faso folgende sozial- und bildungspolitische Realitäten als prekäre Ausgangssituation hervorheben und festhalten:

  1. Die frühkindliche Förderung und Bildung liegt mit 14% in Subsahara-Afrika erschreckend niedrig!
  2. Obwohl gerade die Länder Subsahara-Afrikas die universelle Grundschulbildung um 23% steigern konnten, bleiben Kinder aus armen und sozial schwachen Bevölkerungsgruppen und Kinder mit Behinderungen und Lernschwierigkeiten stark benachteiligt!
  3. Überfüllte Klassenräume, Schulen in bisweilen katastrophalem Zustand, fehlende Lehr- und Lernmaterialien, zu wenig und kaum ausgebildete Lehrerinnen und Lehrer beeinträchtigen die Bildungsqualität und erschweren die Umsetzung inklusiver Bildung erheblich!

Diese drei Kernbereiche begründen maßgeblich unsere pro-aktiv Initiative und stecken die Ziele unseres Aktionsplans für Burkina Faso. Zugleich illustrieren sie die Notwendigkeit für ein inklusives Modellprojekt und werben für eine offizielle Anerkennung als ein landesweiter Modellversuch für Burkina Faso durch die oberste Schulaufsichtsbehörde, die zuständigen Ministerien und die Regierung. Im Folgenden sollen deshalb die Konturen des Aktionsplans skizziert werden.

2.      Der Aktionsplan für ein inklusives Modellprojekt und einen landesweiten Modellversuch in Burkina Faso


Um die Lebens- und Bildungssituation für alle Kinder in Burkina Faso nachhaltig zu verbessern, die Rechte aller Kinder entscheidend zu stärken und die Ziele des internationalen Aktionsplans „Bildung für Alle“ bis 2015 auch in Burkina Faso perspektivisch erreichen zu können, wollen wir ein Schul- und Ausbildungszentrum, das Centre St. Martin als Modelleinrichtung für eine inklusive Schulentwicklung in Burkina Faso planen, bauen und in Betrieb nehmen. Konkret sieht unser Aktionsplan für und in Burkina Faso vor:              

  • den Bau und die Inbetriebnahme einer inklusiven Grundschule mit 10 Klassenräumen und 10 kleinen Förderräumen für etwa 650 Kinder mit und ohne Behinderungen bzw. Lernschwierigkeiten als Laborschule für die Ausbildung von Lehrerinnen und Lehrer,
  • den Bau und die Inbetriebnahme einer Lehrerakademie zur Aus- und Weiterbildung von Lehrerinnen und Lehrer in Burkina Faso für die inklusionspädagogische Arbeit und Förderung von Kindern mit einem heil- und sonderpädagogischen Förderbedarf im gemeinsamen Unterricht,
  • den Bau und die Inbetriebnahme eines Frühförder- und Gesundheitszentrums für benachteiligte, behinderte und in ihrer Gesundheit bedrohte Kinder und ihre Eltern,
  • den Bau und die Inbetriebnahme einer Berufsschule für nachhaltiges Bauen und die berufliche Ausbildung von Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Bauhandwerk.
  • Die Dachkonstruktion aus Bewehrungsstahl

Aus diesen vier Punkten wird rasch deutlich: Damit Kinder mit und ohne Behinderung überhaupt im gemeinsamen Unterricht chancengleich Erziehung, Bildung, Förderung und Unterstützung in ihrer Entwicklung erfahren können, Ernährung, Gesundheit und Rehabilitation für alle Kinder möglich wird und sie bald gleichberechtigt aktiv am Leben der Gemeinschaft teilhaben können, müssen bedarfsgerecht neue, raumklimatisch hochwertige und moderne Bildungseinrichtungen und Förderstätten gebaut und ausgestattet werden.
Die Kinder aus Gando
Das Gesamtentwicklungskonzept das architektonisch von Diébédo Francis Kéré geplant wird und nach seiner innovativen und preisgekrönten Bautechnik nach inklusionspädagogischen Gesichtspunkten (vgl. Markowetz 2007) vor dem Hintergrund des Aktionsrahmens zur Pädagogik für besondere Bedürfnisse (vgl. UNESCO 1994) entstehen soll, sieht einen Campus vor, in dessen Mitte ein Marktplatz mit einem Wasserbrunnen als Sammelstelle und Treffpunkt der Menschen liegt, die von Anfang an in alle Denk- und Arbeitsprozesse einbezogen werden, das neue Bildungszentrum mit der Kommune verbinden sowie die Häuser des Lehrens und Lernens als Orte des Lebens und der Kommunikation für das ganze Dorf bzw. die ganze Region erkennen lassen sollen. Als mögliche Standorte für den Campus kommen insbesondere Regionen mit ihren Hauptstädten und Dörfern in Frage, die institutionell bereits mit Menschen mit Behinderung arbeiten, großes Interesse an einer Entwicklungszusammenarbeit haben und sich an der Umsetzung des internationalen Aktionsplans „Bildung für alle“ engagiert beteiligen wollen. Hierzu werden derzeit geeignete Standorte in unterschiedlichen Provinz und Departments von Burkina Faso geprüft und kooperative Beziehungen mit unterschiedlichen Initiativen aufgebaut.

In einem ersten Abschnitt soll die Grundschule mit Latrinen und einem guten Sanitärbereich gebaut und ein Sportplatz, ein Versammlungsraum mit Bühne sowie ein Schulgarten und eine Schulküche für den lebenspraktischen Unterricht angelegt werden. Zudem soll die Laborschule gut mit Lehr- und Lernmaterialien ausgestattet und auch mit Computern und anderen Medien zur Nutzung des Potentials neuer Technologien ausgestattet werden. Erstmalig soll in dieser inklusiven Grundschule jede Klasse mit 65 Schülerinnen und Schülern zwei Klassenzimmer und zwei Pädagoginnen und Pädagogen bekommen, so dass alle Kinder sowohl gemeinsam unterricht werden können, als auch die Kinder mit Behinderungen und Lernschwierigkeiten in einem kleineren Klassenzimmer individuell und in kleinen Gruppen im Förderunterricht spezielle Lernhilfen und behindertenspezifische Förder- und Therapiemaßnahmen erhalten können.
Lehmmauerwerk
Um die Schule von Beginn an als Schule für Alle in Betrieb nehmen zu können, müssen zeitgleich ausreichend und insbesondere ansprechende und attraktive Lehrerwohnhäuser gebaut werden, in die alle Lehrerinnen und Lehrer einziehen können. Vorgesehen ist, dass die Schule von einheimischen Lehrerinnen und Lehrern und deutschen Sonderschullehrerinnen und Sonderschullehrern Hand in Hand pädagogisch geführt, die Heterogenität im gemeinsamen Unterricht zusammen bewältigt wird und Kinder mit einem sonderpädagogischen Förderbedarf erstmalig gezielt unterstützt und pädagogisch kompetent begleitet werden. Etwas später gilt es die kollegiale Zusammenarbeit nach dem Prinzip des gegenseitigen Kompetenztransfers zu vertiefen, die gelebte inklusive Erziehung und Bildung in Praxis und Theorie curricular zu konzeptualisieren sowie kooperativ auszuwerten und fortlaufend selbstreflexiv-konstruktiv zu verbessern.
In einer zweiten Phase soll deshalb dann eine Akademie für die Lehrerinnen und Lehreraus- und Weiterbildung mit einer Bibliothek, Seminarräumen, einem Medienraum und einer didaktischen Werkstatt gebaut werden, in der dann gezielt und systematisch pädagogische und didaktisch-methodische Fragen praktisch aufgearbeitet und theoretisch reflektiert und fundiert werden, die für das Gelingen der Erziehung, Bildung und Förderung von Kindern mit und ohne Behinderung im gemeinsamen Unterricht bedeutsam sind. Die dabei gemachten Erfahrungen und wissenschaftlich evaluierten Erkenntnisse könnten grundlegend in die landesweite Lehrerinnen und Lehrerbildung einbezogen werden, letztlich in der Transferphase einen wertvollen Beitrag zur Professionalisierung der Ausbildung von Lehrern in ganz Burkina Faso leisten und die Bildungsqualität in allen Schulen entscheidend verbessern. Es versteht sich von selbst, dass für ein verlässliches Betreiben des Bildungszentrums bald ein Hauswirtschaftsbereich mit einer Mensa, einem Kiosk oder Kaffee mit Zugang zum Internet und der entsprechenden hausmeisterlichen Technik und Logistik baulich, personell und sächlich hinzukommen muss. Das schafft Arbeitsplätze, garantiert die Teilhabe und Mitwirkung der Bevölkerung im Entstehungsprozess und stärkt die Akzeptanz und Verantwortung für die neuen Gebäude.
In einem letzten Bauabschnitt soll schließlich noch ein Frühförderzentrum gebaut werden. Die frühe Förderung und die frühkindliche Bildung von benachteiligten, behinderten und in ihrer Entwicklung und Gesundheit gefährdeten Kindern soll nicht nur den Übergang dieser Kinder in die Grundschule erleichtern, sondern insbesondere in der Bevölkerung das Recht auf schulische Bildung selbstverständlich werden lassen, zugleich als System aber selbst auch komplexe Aufgaben kompetent wahrnehmen. Ein interdisziplinäres Team aus Heil-, Sonder- und Sozialpädagogen, Erziehern und Therapeuten aus Burkina Faso und Deutschland soll dort gemeinsam frühe Hilfen anbieten, Eltern beraten und in behindertenspezifischen und gesundheitsrelevanten Fragen rund um Themen wie Aids, Behinderung, Pflege und Hygiene, Lagerung, Erste Hilfe und Nahrung schulen, gewissenhaft gute Förderdiagnostik durchführen und gezielt Therapien sowie heil- und sonderpädagogische Fördermaßnahmen einleiten und prozessual bilanzieren. Hierzu soll für das elementare Lernen ein Sinnesgarten und Spielplatz konzipiert und angelegt werden. Gleichzeitig geht es auch in der Frühpädagogik darum über die Akademie einheimische Lehrerinnen und Lehrer beruflich für diesen elementaren Bildungsbereich in Frühpädagogik zu interessieren und zu qualifizieren bzw. andere soziale Berufsgruppen des Landes für den Einsatz im vorschulischen Bereich zu schulen. Denkbar wäre, dass auf diese Weise auch in Burkina Faso Kindergärten als vorschulische Bildungseinrichtungen hervorgehen und als Sozialisationsinstanz die Familien entscheidend unterstützen, ohne sie dabei zu entmündigen, sondern z.B. über Familienschulen umfassend in die Förderprozesse salutogenetisch und lernend bei allen Maßnahmen der Prävention und Intervention einzubeziehen.
Die geplante Erweiterung
Nicht zuletzt werden die umfänglich anstehenden Baumaßnahmen rasch die Frage aufwerfen, wer die Arbeiten mit dem erforderlichen Wissen, den handwerklichen Kompetenzen und technischen Fertigkeiten durchführen wird. Deshalb ist angedacht eine Berufsschule für nachhaltiges Bauen zu begründen, die Jugendliche und junge Erwachsene für das Bauhandwerk qualifiziert, berufliche Perspektiven und sinnstiftende Beschäftigungsmöglichkeiten schafft sowie die Akzeptanz des Projekts fördern und die Idee einer inklusiven Gesellschaft verbreiten soll.

3. Zwischenbilanz

Wenn wir es als Weltgemeinschaft schaffen wollen, dass Bildung für alle Kinder bis 2015 selbstverständlich wird, dann müssen von den 156 Millionen weltweit noch immer fehlenden Schulplätzen allein 88 Millionen in Subsahara-Afrika eingerichtet werden. Die Einschulungsraten und Zahlen zur weltweiten Schulstatistik, wie sie der Abbildung auf der nächsten Seite dem Global Monitoring Report (vgl. UNESCO 2007, 50) zu entnehmen sind, zeigen, dass Burkina Faso zu jenen Ländern gehört, die weniger als 70% ihrer Kinder in Grundschulen einschulen und in dem knapp 5 Millionen Kinder gar nicht zur Schule gehen. Konkret in die nahe Zukunft gedacht bedeutet das für Burkina Faso, dass die Einschulungsraten bei gleichzeitiger Steigerung der Bildungsqualität noch mehr als verdoppelt werden müssen. Neue Allianzen zwischen Regierungen, Nicht-Regierungsorganisationen, internationalen
Organisationen, Bildungsfachleuten und dem Privatsektor sind vor dem Hintergrund dieser Herausforderungen also mehr als gefragt, um Bildung für nachhaltige Entwicklung auf kommunaler und regionaler Ebene in Burkina Faso zu ermöglichen. Deshalb ist zunächst Burkina Faso politisch auf höchster Ebene ernsthaft auf die Dakar-Ziele zu verpflichten, damit dann ein UN-Geberland wie Deutschland aktiv werden und das Entwicklungsprojekt finanziell unterstützen kann. Das geplante und wissenschaftlich technisch über die TU Berlin und pädagogisch über die KFH Freiburg kooperativ begleitete Modellprojekt an der Schnittstelle von Technik und Pädagogik stellt deshalb an sich den Anspruch Erfahrungen und Erkenntnisse zu gewinnen, die einen nationalen Aktionsplan für ein kindergerechtes Burkina Faso auf den Weg bringen und beeinflussen sollen, der den weltweit formulierten Anspruch: „Bildung für alle Kinder!“ architektonisch und pädagogisch entscheidend näher bringen und die Rechte aller Kinder stärken kann.
Abb.:       Zahl der Kinder, die keine Schule besuchen – Nettoeinschulungsraten in 2005

 

Burkina Faso gehört zu den 70 Partnerländern des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). Deutschland ist an der First Track Initiative „Education for All“ der internationalen Gemeinschaft beteiligt und fördert die Grundbildung für Kinder und Jugendliche bis 15 Jahren. Es sollte deshalb möglich sein über die zuständigen Behörden und Ministerien die notwendigen Gelder bewilligt zu bekommen und die benötigten Stellen für pädagogische Fachkräfte im Auslandsdienst zumindest solange bezahlt zu bekommen, bis sich in Burkina Faso die Hilfen zur Selbsthilfe erübrigen und der Bildungsbetrieb seine Schlüsselfunktion für nachhaltige Entwicklungen erfüllt.
Für den umfänglichen Bau und die sächliche wie personelle Ausstattung des Bildungszentrum „Centre St. Martin“ in Höhe von insgesamt gerechneten 500.000 € versuchen wir derzeit durch Aktionen, Einwerben von Spendengeldern und die Akquise von Fördergeldern Zuwendungen für die Realisation des Projektes zu erwirtschaften. Ein Antrag für die Förderung entwicklungswichtiger Vorhaben privater deutscher Träger in Entwicklungsländern beim Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung wird gerade erstellt, geprüft und in Kürze eingereicht. Darüber hinaus dürften bis dann auch genügend Patenschaften explizit für Kinder mit Behinderungen, Lernschwierigkeiten und Benachteiligungen gefunden sein, die deren Schulbesuch fordern und finanzieren sollen.
Der UNESCO-Weltbildungsbericht 2008 "Bildung für alle bis 2015 - Werden wir es schaffen?"kam also gerade noch rechtzeitig für die Wiederentdeckung der Bildungsnot in Burkina Faso. Die Halbzeit-Evaluation zeigt eindrücklich, welche Anstrengungen die UNESCO, im Verbund mit anderen nationalen und internationalen Organisationen (NGO) noch zu unternehmen hat, um mehr und eine bessere Grundbildung auch und gerade nach Burkina Faso zu bringen, und um diese mit dem Ziel der nachhaltigen Entwicklung zu verknüpfen. Der Appell
des ehemaligen UN-Generalsekretärs Kofi Annan an die Regierungen, verbindliche nationale Pläne zur Bildungsversorgung auszuarbeiten, die in enger Kooperation mit den Geberländern und mit zivilgesellschaftlichen Organisationen und Initiativen durchgeführt werden sollen, findet nicht nur unsere volle Zustimmung, sondern motiviert uns als Aktivisten diese Herausforderung konsequent, ressourcenorientiert und nachhaltig anzugehen und ihr ein Gesicht zu geben (vgl. z.B. Deutsche UNESCO Kommission 2009; Rieser 2008)


Der „Architekt aus Burkina Faso“ und der „Pädagoge aus Deutschland“ sind sich deshalb darin einig, dass wir es in Kooperation mit unseren beiden Vereinen Schulbausteine für Gando e.V. und Centre St. Martin e.V. sowie  unseren  Bündnispartnern im
Schulterschluss und auf gleicher Augenhöhe mit unseren Partnern und Kollegen in Burkina Faso schaffen werden bis 2015 die „Grundbildung für alle Kinder“ beispielhaft und für Burkina Faso nachhaltig auf den Weg zu bringen! Hierzu bedarf es allerdings noch vieler Anstrengungen, bei der wir Ihre Hilfe, Ihre ideelle Unterstützung und auch Ihre finanziellen Zuwendungen in Form von Spenden oder gezielten Patenschaften dringend brauchen.

Gerade die Patenschaften für Kinder mit Behinderungen, Lernschwierigkeiten und sozialen Benachteiligungen, wie sie von Privatpersonen oder Schulen, z.B. von der Montessori-Schule, einer Grundschule für Kinder mit und ohne Behinderung in Freiburg, der Oberlin Schule, einer Schule für Schülerinnen und Schüler mit geistigen und schwermehrfachen Behinderungen des Epilepsiezentrums in Kehl-Kork oder dem Integrationsfachdienst der Stadt Pforzheim und des Enzkreises bereits übernommen wurden, sind uns mit Blick auf ihre bildungspolitische Wirkung in Burkina Faso wichtig. Sie sind an den Besuch der sechsjährigen Grundschule geknüpft, zeigen eindrucksvoll auf, dass für uns hier in Deutschland Bildung für alle selbstverständlich ist und deshalb von uns als Partner in der Entwicklungszusammenarbeit gewollt und auch eingefordert wird. Patenschaften werden damit zum Hauptauslöser und Katalysator für eine inklusive Schulentwicklung in Burkina Faso, die Bildung für alle Kinder Schritt für Schritt und über die Jahre konstruktiver Entwicklungszusammenarbeit normal werden lässt.
Die Kinder bauen ihre Schule
Uns ist es ein besonderes Anliegen, viele Menschen mit ihren Erfahrungen und Kompetenzen in unser Projekt an der Schnittstelle von Pädagogik, Medizin und Architektur einzubeziehen und als Bündnispartner zu gewinnen. Deshalb würden wir uns freuen Sie als Freund oder Freundin für unsere Entwicklungsinitiative für Burkina Faso und unser Bildungsmodellprojekt in Burkina Faso begrüßen zu dürfen.
Wenn Sie deshalb

  • aktiv mitdenken, konstruktiv mitmachen, sich ehrenamtlich engagieren oder professionell helfen wollen,
  • für den Bau des Schul- und Bildungszentrums „Center St. Martin“ gezielt „Schulbausteine“ spenden wollen,
  • eine Patenschaft für ein Kind mit Behinderung übernehmen wollen,
  • als Heil- oder Sonderpädagogin vorhaben schon bald für einige Jahre im Entwicklungsdienst in diesem inklusiven Modellprojekt mitarbeiten zu wollen,

          … dann sollten Sie nicht zögern mit uns Kontakt aufzunehmen!


4. Literatur

Ainscow, M.: Understanding the Development of Inclusive Schools. Oxford (Routledge) 1999.
Baaden, A.: Bildung für Alle bis 2015? Die UNESCO und der Aktionsplan von Dakar. unesco heute online. Online–Magazin der Deutschen UNESCO-Kommission. Ausgabe 8, August 2002. Download unter http://deposit.ddb.de/ep/netpub/28/34/66/972663428/_data_dync/_stand_Dezember_2006/802/802baaden.htm

BMZ: Informationen zum Land: Burkina Faso. Internetquelle 2008: http://www.bmz.de/de/laender/partnerlaender/burkinaFaso/profil.html

Booth, T./Ainscow, M.: The Index for Inclusion. Bristol (Centre for Studies on Inclusive Education) 2002.

Deutsche Unesco-Kommission (Hrsg.): Bildung für alle hat Priorität. Online–Magazin der Deutschen Unesco-Kommission. Ausgabe 11, 2005. Download unter http://unesco-heute.de/1105/gk33ed.htm

Deutsche Unesco-Kommission (Hrsg.): Inklusion: Leitlinien für die Bildungspolitik. Bonn (Deutsche UNESCO-Kommission) 2009.

Deutsche Unesco-Kommission/Bundesminsiterium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (Hrsg.): Weltbericht „Bildung für alle 2008“. Kurzfassung. Bildung für alle bis 2015- werden wir es schaffen? Bonn (DUK/BMZ) 2008. Download unter http://www.unesco.de/efareport2008.html?&L=0

GTZ: Die GTZ in Burkina Faso. Internetquelle 2008:     http://www.gtz.de/de/weltweit/afrika/578.htm

Hoffmann, B./Wiegand, J.: Burkina Faso - Kinder und Jugendliche zwischen gestern und morgen. Münster (Litt Verlag) 2001.

Liebel, M.: Kinderrechte sind Menschenrechte. Ein Überblick über ihre Geschichte und Gegenwart. Gemeinsam Leben 16 (2008) 1, 3-10.

Markowetz, R.: Bildung für alle! – Die soziale und schulische Situation von Kindern und Jugendlichen mit Behinderungen in Garango/Burkina Faso (Westafrika). Projektinformation und Forschungsdesign. Heidelberg (Pädagogische Hochschule) 2001.

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Fotos: Diébédo Francis Kéré; Homepage Garango-Ladenburg e.V. www.garango.de

 

5.    Informationen & Kontakt

Centre St. Martin e.V. 

Bildung für alle in Burkina Faso

                                                   

                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                    
www.csm-burkinafaso.de                                                                                                                                                              
                                                                                                                                                            
Geschäftsführender Vorstand                                                                                                                                    
Prof. Dr. Reinhard Markowetz                                                              
Fritz-Würzburgerweg 7                                                                                                                                                                                   
D – 68526 Ladenburg                                                                           
00 49 (0)6203  3207                                                                                                             
r.markowetz@t-online.de                                                                                                                              

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