Liebe Leserinnen, liebe Leser,

hiermit präsentieren wir die Ausgabe 2/2011 der Zeitschrift für Inklusion-online.net. Das aktuelle Onlineheft befasst sich mit der Umsetzung der UN-Konvention über die Rechte der Menschen mit Behinderung (UN-BRK). Die Europäischen Gemeinschaft hat bereits am 30. März 2007 die UN-BRK ratifiziert, 27 Mitgliedstaaten sind ihr gefolgt. Von den deutschsprachigen EU-Ländern haben Deutschland und Österreich die UN-BRK im Jahre 2008 einschließlich des Fakultativprotokolls ratifiziert – sie ist damit in diesen Ländern unmittelbar geltendes Recht. Ihre Umsetzung ist als eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe zu verstehen.

Im ersten Beitrag analysiert Torsten Dietze das zum Thema „Sonderpädagogische Förderung“ aktuell verfügbare Datenmaterial der amtlichen Schulstatistik 2009/10 auf Bundes- und Länderebene sowie auf Ebene der Kreise und kreisfreien Städte in der Bundesrepublik Deutschland. Er zeigt unter anderem auf, dass der Anteil der Schüler/-innen mit diagnostizierter sonderpädagogischer Förderung (trotz insgesamt rückläufiger Schülerzahlen) in den letzten Jahren weiter zugenommen hat. Insbesondere die Analysen auf kleinräumiger Ebene zeigen starke regionale Disparitäten bezüglich der Förderschulbesuchsquoten, auch hinsichtlich der Schüler/-innen ohne deutsche Staatsbürgerschaft, wie sie in den zugrundeliegenden Schulstatistiken bezeichnet werden.

Ewald Feyerer befasst sich in seinem Beitrag mit dem Spannungsverhältnis zwischen der Forderung der UN-Behindertenrechtskonvention nach einer Schule für alle und bestehenden Unsicherheiten bei der praktischer Umsetzung Gemeinsamen Unterrichts auf verschiedenen Ebenen. In seinem Artikel greift er die nach wie vor bestehenden Unsicherheiten und Unklarheiten auf und stellt diese bisherigen Evaluationsergebnissen Gemeinsamen Unterrichts gegenüber. Der Autor kommt zu dem Schluss, dass das Leben in einer durch Vielfalt gekennzeichneten Gesellschaft von Dynamiken und dialektischen Spannungen geprägt ist und Integration/Inklusion auch daher nie endgültig erreicht werden kann, sondern Tag für Tag neu erarbeitet und neu gelebt werden muss.

Rainer Grubrich betrachtet die aktuelle schulische Situation von Kindern und Jugendlichen mit sonderpädagogischem Förderbedarf in Österreich vor dem Hintergrund des ersten Staatenberichts über die innerstaatliche Umsetzung der Konvention an die Vereinten Nationen vom Oktober 2010. Der Beitrag stellt eine Synapse der Realsituation von Kindern und Jugendlichen mit sonderpädagogischem Förderbedarf in Österreich, der politischen Positionen, kritischen Einwänden und zu erwartenden zukünftigen Entwicklungen dar.

Johannes Schädler, Albrecht Rohrmann und Thomas Franzkowiak berichten von den Ergebnissen einer empirischen Untersuchung zum Stand und zu den Perspektiven inklusiver Erziehung in Südwestfalen. Die Studie entstand im Zusammenhang mit dem EU-Projekt Pathways to Inclusion“ (P2I), das sich u.a. damit befasst, wie die Zielsetzungen inklusiver Erziehung auf lokaler Ebene umgesetzt werden bzw. welcher Stellenwert entsprechende Entwicklungsperspektiven bei den lokalen Akteuren haben. Auf der Basis von schulstatistischen Daten, einer Online-Befragung und Expert/-innen-Interviews werden die Verhältnisse in den kommunalen Gebietskörperschaften Siegen-Wittgenstein und Olpe untersucht. Dabei wird neben Schulen auch auf vor-, nach- und außerschulische Einrichtungen der Bildung und Erziehung eingegangen.

Rheinland-Pfalz ist das erste Bundesland, das mit einem landesweiten Aktionsplan zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention aufwarten kann. Ottmar Miles-Paul, rheinland-pfälzischer Landesbehindertenbeauftragter, erläutert den Planungs- und Entwicklungsprozess dieses Aktionsplans und stellt seine wesentlichen inhaltlichen Grundzüge vor.

Mit dieser Heftnummer startet eine Reihe zu den Entwicklungen der Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention im Bildungsbereich in den einzelnen Bundesländern. Skizziert und kommentiert werden jeweils der Stand bildungspolitischer Gesetzesvorhaben und Aktionspläne, insbesondere bezogen auf die Schulentwicklung sowie den Bereich der Aus-, Fort- und Weiterbildung. In dieser Ausgabe berichten:
Kerstin Merz-Atalik und Peter Hudelmaier-Mätzke aus Baden-Württemberg,
Clemens Dannenbeck und Carmen Dorrance aus Bayern,
Dieter Katzenbach aus Hessen,
Jessica M. Löser und Rolf Werning aus Niedersachsen,
Brigitte Schumann aus Nordrhein-Westfalen,
Saskia Schuppener und Christian Eichfeld sowie in einem weiteren Artikel Ursula Mahnke aus Sachsen,
Andreas Hinz aus Sachsen-Anhalt.

Anke Langner schließlich rezensiert den 2010 erschienenen und von Joachim Schwohl und Tanja Sturm als Festschrift für Karl Dieter Schuck herausgegebenen Reader mit dem Titel "Inklusion als Herausforderung schulischer Entwicklung". Sie hebt hervor, dass dieses Werk multiprofessionell über Inklusion reflektiert und damit über den Tellerrand von Schulentwicklung hinausblickt. Inklusion geht auch über die Perspektive Behinderung hinaus. Dieser Anspruch spiegelt sich in der Bandbreite und im jeweiligen fachlichen Blickwinkel der einzelnen Beiträge wieder. Als solches stellt es einen verdienstvollen Beitrag für die Fortführung des erziehungswissenschaftlichen Theoriediskurses zur Inklusion dar.

Als weitere Themenschwerpunkte der folgenden Ausgaben sind geplant:

Heft 3/2011: Ausbildung für Inklusion
Heft 4/2011: Inklusion braucht Strukturwandel: Policy making – Change Management – Gestaltung von Veränderungsprozessen – Organisationsentwicklung

weitere geplante Themen sind:

- Begriff der Inklusion
- Didaktik im Kontext von Inklusion


Carmen Dorrance für die Redaktion von Inklusion-Online