Zeitschrift für Inklusion https://www.inklusion-online.net/index.php/inklusion-online <p>Die "Zeitschrift für Inklusion" ist eine Fachzeitschrift mit dem Fokus integrativer Pädagogik und Inklusion. Integrative Pädagogik beschäftigt sich mit dem gemeinsamen Leben, Lernen und Arbeiten von behinderten und nichtbehinderten Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen in allen Lebensbereichen. Inklusion ist die Vision von einem gesellschaftlichen Zusammenleben, in der stigmatisierende Dichotomien wie z. B. "behindert / nichtbehindert" bedeutungslos werden. Darüber hinaus befasst sich Inklusion mit der internationalen Perspektive und mit der Frage einer Weiterentwicklung von integrativer Pädagogik.</p> <h3>Open-Access-Richtlinie</h3> <p>Diese Zeitschrift bietet freien Zugang (Open Access) zu ihren Inhalten, entsprechend der Grundannahme, dass die freie öffentliche Verfügbarkeit von Forschung einem weltweiten Wissensaustausch zugute kommt.</p> <h3>Review</h3> <p>Die Zeitschrift für Inklusion verwendet ein Single-Blind-Peer-Review.</p> bidok Deutschland e.V. de-DE Zeitschrift für Inklusion 1862-5088 Inklusion und Partizipation https://www.inklusion-online.net/index.php/inklusion-online/article/view/610 <p>Der vorliegende Diskussionsbeitrag bietet eine kritische Reflexion der Konzepte Inklusion und Partizipation an. Dabei lotet er ihre unterschiedlichen Verständnisse auf der Basis der deutschsprachigen Debatte und mit internationalem Bezug auf den Weltbildungsbericht 2020 der UNESCO aus. Darauf aufbauend bezieht er sie auf die „theory of partnerism“ (Riane Eisler) mit dem Herrschafts- und dem Partnerschaftssystem. Dabei scheint die Widersprüchlichkeit zwischen hierarchischen Verhältnissen und egalitären Horizonten von Inklusion und Partizipation auf. Weiter untersucht er den Bezug konkreter pädagogischer Handlungsstrategien auf diese Polarität. Der Text endet mit einem Plädoyer für die Berücksichtigung dieser grundlegenden Widersprüchlichkeit auch in der Forschung.</p> Andreas Hinz Ines Boban Copyright (c) Normfokussierungen https://www.inklusion-online.net/index.php/inklusion-online/article/view/609 <p>Im Kontext von Inklusion werden Kindertageseinrichtungen als Orte für alle Kinder mit und ohne sog. Behinderung gedacht. Inklusion kann dabei nicht als Ergebnis eines normativ gesetzten Ziels bestimmt werden, sondern wird in praxi i.S. eines Doing Inclusion und Doing Difference durch die Akteure hergestellt. Der Beitrag fragt, wie der pädagogische Blick auf das Kind in sog. inklusiven Kindertageseinrichtungen ausgerichtet wird. Die empirischen Analysen von regulär stattfindenden Elterngesprächen zeigen auf, dass pädagogische Fachkräfte auf den zentralen Topos Entwicklung der Kinder fokussieren und einen normfokussierten Blick in Anschlag bringen.</p> Katja Zehbe Peter Cloos Copyright (c) Wohlbefinden, Lebenszufriedenheit und Belastungserleben junger Menschen mit Behinderungserfahrung in Zeiten der COVID-19-Pandemie. Ergebnisse der quantitativen Studie „Jugend und Corona“ https://www.inklusion-online.net/index.php/inklusion-online/article/view/608 <p>Der vorliegende Beitrag beleuchtet Wohlbefinden, Lebenszufriedenheit und Belastungserleben junger Menschen mit Behinderungserfahrung während der COVID-19-Pandemie. Grundlage sind quantitative Daten der bundesweit durchgeführten zweiten Erhebung der Studie „Jugend und Corona“ (<em>N</em> = 7.038). Die Ergebnisse zeigen, dass Wohlbefinden und Lebenszufriedenheit besonders dann als niedrig und das Belastungserleben von Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit Behinderung/Beeinträchtigung dann als hoch eingestuft werden, wenn die Befragten keine Unterstützung im Umfeld erfahren. Im Vergleich zu jungen Menschen, die sich als ‚nicht beeinträchtigt und behindert‘ einordneten, zeigen sich signifikante Unterschiede. Die Ergebnisse verweisen auf die Notwendigkeit eines diversitätssensiblen Zugangs zum Pandemieerleben junger Menschen. Ihre Handlungsfähigkeiten, aber auch Unterstützungsbedarfe sind nicht ausschließlich auf Basis ihres Lebensalters zu bestimmen, sondern erfordern – auch über die Pandemie hinaus – einen differenzierten Blick auf die Vielfalt jugendlicher Lebenswelten. Je nach Wohnort, Geschlecht, psychischer und physischer Situation, Familienlage oder Aufenthaltsstatus sind junge Menschen unterschiedlich von der Pandemie betroffen und haben differente Bedürfnisse. Diese müssen im Sinne eines gesamtgesellschaftlichen Inklusionsverständnisses von Wissenschaft, Praxis und Politik wahrgenommen werden und verlangen danach, junge Menschen in die Debatte einzubeziehen.</p> Anna Lips Kris-Stephen Besa Caroline Schmitt Lea Heyer Copyright (c) A, Reh & Y, Wilke Lehrerkooperation im Kontext habitualisierter Abgrenzungspraktiken im inklusiven Unterricht https://www.inklusion-online.net/index.php/inklusion-online/article/view/607 <p>Lehrkräfte stehen derzeitig unter der vielfach postulierten Anforderung ihren Unterricht inklusionsbezogen (weiter) zu entwickeln. Die Lehrerkooperation und die Arbeit in multiprofessionellen Teams gilt dabei als ein zentrales Merkmal und Gelingensbedingung für den inklusiven Unterricht (UNESCO 2005; Lütje-Klose und Urban 2014, Thurn 2019). Durch die organisationale Struktur von Schule ist diese Zusammenarbeit jedoch eher die Ausnahme; insbesondere ist in den Schulformen der Sekundarstufe eine Abnahme der Kooperation zwischen Lehrkräften zu verzeichnen (vgl. Kullmann 2010). Oftmals wird diese negative Entwicklung der Kooperation zwischen Lehrkräften der organisationalen Struktur von Schule zugeschrieben (Morgenroth 2015), die durch widersprüchliche Handlungsaufträge und divergente Verortungen in den antinomischen Spannungsfeldern des Lehrerhandelns bestärkt werden (Helsper 2018; Seitz et al. 2020). Im Rahmen der Erforschung habitueller Orientierungen von Mathematiklehrkräften in inklusiven Gesamtschulen und Fachleitungen des Sachunterrichts konnten jedoch ebenso ein unterschiedliches Fachkonzept sowie ein unterschiedliches Inklusionsverständnis selbst als Hemmnis für gelingende Zusammenarbeit identifiziert werden. Diese habitualisierten Handlungspraktiken sind insofern als relevant einzustufen, als dass diese handlungsleitend wirken, jedoch als vorreflexiv gelten (Bohnsack 2017; Bourdieu 1980) und damit unbewusst die Entscheidung für oder gegen kooperative Zusammenarbeit beeinflussen. Aus den vorliegenden Interviews konnten mittels der Dokumentarischen Methode unterschiedliche Praktiken der Abgrenzung zu Fachkolleg*innen wie Handlungspraktiken der Umgehung hinderlicher Organisationsstrukturen rekonstruiert werden, die in Kombination eine Kooperation - unabhängig von äußeren Rahmenbedingungen - verhindern oder befördern. Ausgehend von den rekonstruierten habitualisierten Handlungspraktiken der befragen Akteure und dem sich daraus ergebenden Regressions-Innovations-Dilemma werden im Beitrag Vorschläge zur professionellen Reflexion innerhalb der Aus- und Weiterbildung von Lehrkräften entwickelt, die künftig die Zusammenarbeit und Kooperation begünstigen können.</p> Anne Reh Yannik Wilke Copyright (c) Distance Learning und digitale Lernwelten - Wie Onlinetools zur Exklusion im Rahmen der Inklusion führen https://www.inklusion-online.net/index.php/inklusion-online/article/view/606 <p>Als vor etwas mehr als einem Jahr das gesamte gesellschaftliche Leben auf Rückzug gedrängt wurde, galt es mit einem Schlag neue Wege im Bildungsgeschehen zu beschreiten. Statt Lehrveranstaltungen vor Ort an den Bildungsinstitutionen abzuhalten, musste Lehren und Lernen in Onlineformate transferiert werden. Den kritisch, sensibilisierten Blick auf digitale Lernwelten gerichtet, nehmen die beiden Autor*innen die am häufigsten gebräuchlichen Onlinetools für digitale Lehre unter die Lupe. Dabei gilt es bewährte inklusiv laufende Anwendungen vorzustellen, Barrieren zu identifizieren und Empfehlungen für Alternativlösungen aufzuzeigen. Die damit einhergehenden Dynamiken von Inklusion und Exklusion werden aufgegriffen und diskutiert.</p> Claudia Rauch Georg Edelmayer Copyright (c) Zur Bildungssituation von Schüler:innen mit Blindheit und Sehbehinderung während der Corona-Pandemie im März 2020 in Deutschland https://www.inklusion-online.net/index.php/inklusion-online/article/view/605 <p>Im Frühjahr 2020 hat die Pandemie zur flächendeckenden Einstellung des Präsenzunterrichts in Deutschland geführt. Mit dem Distanzlernen (Emergency Remote Teaching) wurde dem Recht auf Bildung entsprochen, was sich jedoch als herausfordernd für alle Schüler:innen mit und ohne Beeinträchtigung dargestellt hat. In diesem Beitrag werden ausgewählte Ergebnisse einer qualitativen Interviewstudie vorgestellt, um insbesondere die Situation von Schüler:innen mit Beeinträchtigung des Sehens und Blindheit in den Blick zu nehmen. Die Daten wurden hinsichtlich der Fragestellung analysiert, ob die Schüler:innen während des Distanzlernens einen Zugang zu überfachlichen/schwerpunktspezifischen Inhalten (hier: Bereiche des Spezifischen Curriculums) gehabt haben. Die Studie wurde von Masterstudierenden im sonderpädagogischen Schwerpunkt Sehen durchgeführt und ermöglichte gleichzeitig, auch angesichts der ERT-Situation, an der Universität Hamburg den Diskurs über aktuelle Prozesse und Strukturen im schulischen Handlungsfeld zu führen.</p> Marie-Luise Schütt Sven Degenhardt Wiebke Gewinn Copyright (c) Bedingungen für elterliche Belastung während Fernunterricht und deren Bedeutung für den Lernzuwachs von Schülerinnen und Schülern https://www.inklusion-online.net/index.php/inklusion-online/article/view/604 <p>Es handelt sich um ein Abstract im Rahmen des Call for Papers "Inklusion und Exklusion in Zeiten von Corona". Abstract siehe PDF.</p> Edith Niederbacher Copyright (c) Corona, Institution und Inklusion https://www.inklusion-online.net/index.php/inklusion-online/article/view/603 <p>Die Corona-Pandemie hat im Kontext des institutionalisierten Lebens für Menschen mit geistiger Behinderung dekonstruktive Logiken des Denkens und Handelns eingefordert sowie massive Strukturprobleme und -funktionszusammenhänge von Wohnheimen offengelegt. Wie eine Eruption stellt sie das bestehende System in Frage und stört innerinstitutionellen Routine, welche entsprechend kurzfristig anders funktionieren müssen. Dies ist hochgradig krisenhaft, birgt aber Perspektiven des Weiterdenkens für eine Zeit nach der Pandemie. In dem Beitrag wird anhand der Betrachtung von Beispielen aus der Lebenspraxis, die im Rahmen der Forschungsstudie „Institutionalisierte Lebensbedingungen in Zeiten von Corona“ an der Philipps-Universität Marburg generiert wurden, dargelegt, inwiefern Corona, Institution und Inklusion zusammenhängen.</p> Peter Nothbaum Copyright (c) Pluralisierung der Perspektiven – vom Objekt zum Subjekt im öffentlichen Diskurs um Corona und Solidarität https://www.inklusion-online.net/index.php/inklusion-online/article/view/602 <p>Die Corona-Pandemie wirkt wie ein „Brennglas" auf gesellschaftliche Probleme und lässt Schieflagen deutlich hervortreten. Menschen mit Behinderungserfahrungen werden als eine Gruppe verkollektiviert. Ihre Perspektiven sind nicht im Fokus des öffentlichen Diskurses – bedingt durch das hegemoniale Hören (Spivak 1990) einer Gesellschaft, die in ein Innen und Außen (Kronauer 2010) unterteilt. Unter Berücksichtigung der Perspektiven von Menschen mit (Sonder-)Institutions- und Behinderungserfahrungen werden verschärfende Exklusionsfaktoren in den Blick genommen und der gesellschaftliche (solidarische) Umgang vor dem Hintergrund einer notwendigen Pluralisierung der Perspektiven diskutiert.</p> Lucia Staib Julia Heusner Nico Leonhardt Prof.in Dr.in Saskia Schuppener Copyright (c) Distanzlernen an inklusiven Grundschulen aus der Perspektive von Schulleitungen https://www.inklusion-online.net/index.php/inklusion-online/article/view/601 <p>Die Schulschließungen und das Distanzlernen im Zuge der Corona-Pandemie gingen mit erheblichen Herausforderungen für das Lernen an inklusiven Grundschulen einher. Im Beitrag wird der Frage nachgegangen, wie das ‚Homeschooling‘ für Kinder mit sehr unterschiedlichen Ausgangslagen und Bedürfnissen von den Grundschulen organisiert worden ist, welche Inklusionspotenziale sich zeigen und zu welchen Exklusionsmomenten es durch das Lernen zuhause auch gekommen ist. Ausgehend von narrativen Interviews mit Schulleitungen von inklusiven Grundschulen wird rekonstruiert, wie das Distanzlernen und die damit verbundenen Herausforderungen von ihnen wahrgenommen und bearbeitet worden sind. Diese werden rückgebunden an das Konzept der Schulkultur, sodass der schulkulturelle Umgang mit dem Lernen zuhause und den – jeweils in der Schulkultur wahrgenommenen – Inklusionschancen und Exklusionsrisiken rekonstruiert wird. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass sich an den Schulen verschiedene Anerkennungsverhältnisse im Umgang mit den jeweils partikularen Bedürfnissen der Schüler*innen herausgebildet haben und diese Partizipation und Teilhabe ermöglichen oder Marginalisierung befördern können.</p> Marlene Kowalski Copyright (c) Lehren aus der Corona-Pandemie und Auswege aus der Leere https://www.inklusion-online.net/index.php/inklusion-online/article/view/600 <p>Schüler:innen mit dem Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung sind eine besonders vulnerable Personengruppe, die in vielfältiger Weise Exklusion erfährt. (Gesundheitliche) Belastungssituationen, Einschränkungen des Bewegungsradius und soziale Isolation&nbsp;bestimmen nicht erst seit der COVID-19-Krise ihre Lebensrealität, weshalb umfassende Gesundheitsbildung für Schüler:innen mit dem Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung dringend erforderlich, jedoch meist nicht hinreichend gewährleistet ist. Jenes grundlegende Spannungsfeld offenbart sich einmal mehr durch pandemiebedingte Veränderungsprozesse. Der Beitrag skizziert curriculare Desiderate der gegenwärtigen Gesundheitsbildung und analysiert diese vor dem Hintergrund eines inklusiven Bildungsanspruchs. Die Bedeutung inklusiver Gesundheitsbildung wird herausgearbeitet und eine Einsicht in konkrete Implikationen für deren Umsetzung am Beispiel curricularer Anforderungen im Umgang mit (Gesundheits-)Krisen vorgenommen.</p> Lena Grüter Copyright (c) Kriterien für barrierefreie Lernmaterialien im Sportunterricht https://www.inklusion-online.net/index.php/inklusion-online/article/view/599 <p>Lernmaterialien im Sportunterricht wird das Potenzial zugeschrieben die Lernprozesse von Schüler:innen fördern zu können. Dies bezieht sich einerseits auf fachliche Aspekte wie das Lernen komplexer Bewegungen oder auch die Entwicklung von Lösungen zu Bewegungsproblemen. Andererseits werden mit Lernmaterialien auch überfachliche Ziele wie die Förderung von Selbständigkeit, Motivation und Kooperationsfähigkeit in Verbindung gebracht. Lernmaterialien können jedoch auch durch eine unachtsame fachdidaktische Gestaltung und Einbettung in den Unterrichtsverlauf oder durch fachunspezifische Gestaltungsmerkmale Lernprozesse behindern. In dem vorliegenden Beitrag sollen potenzielle Barrieren von Lernmaterialien dargestellt und Kriterien für zugängliche Lernmaterialien formuliert werden. Dazu wird zunächst eine fachdidaktische Perspektive eingenommen und es werden Barrieren aufgrund unpassender fachlicher Anforderungen und unpassender fachlicher Unterstützung dargestellt. Außerdem werden aus der Perspektive des Multimedialernens eine unnötige Informationsverarbeitung und eine suboptimale essenzielle Informationsverarbeitung als Barrieren von Lernmaterialien im Sportunterricht aufgegriffen. Zuletzt wird mit Fokus auf die visuelle Gestaltung die Perspektive der Pädagogik bei Beeinträchtigung des Sehens berücksichtigt.</p> Jonas Wibowo Marie-Luise Schütt Frederik Bükers Copyright (c) Der Übergang in die berufliche Bildung als krisenhafter Schulwechsel https://www.inklusion-online.net/index.php/inklusion-online/article/view/597 <p>Für sonderpädagogisch unterstützte SchülerInnen ist der Wechsel in die Berufsbildung häufig keine ´zweite Chance´, sondern ein weiteres Scheitern. Der Beitrag geht den Gründen dieses Scheiterns in der allgemeinbildenden Schule und im Übergang nach und diskutiert Aspekte von Lösungen.</p> Michael Schwager Copyright (c) „Die sehen mich als irgendwas zwischen Schulsozialarbeiter und Sonderpädagoge“ https://www.inklusion-online.net/index.php/inklusion-online/article/view/595 <p>Um dem anhaltenden Fachkräftemangel an inklusiven Schulen zu begegnen, wurden in Nordrhein-Westfalen Stellen für Multiprofessionelle Teams im Gemeinsamen Lernen an weiterführenden Schulen geschaffen. Die sogenannten MPT-Stellen werden mit (sozial-)pädagogisch ausgebildetem Personal besetzt, um Lehrkräfte u.a. durch unterrichtsnahe Tätigkeiten zu entlasten. Im Beitrag wird auf der Grundlage der Ergebnisse einer explorativen Interviewstudie der Frage nachgegangen, welche Aufgaben und Zuständigkeiten die Fachkräfte in multiprofessionellen Teams in der Praxis übernehmen. Dabei wird fokussiert, inwieweit sich durch das pädagogisch ausgebildete Personal Chancen, aber zeitgleich auch Herausforderungen für ihren Einsatz im inklusiven Unterricht ergeben.</p> Sandra Grüter Svenja Hölz Phillip Neumann Birgit Lütje-Klose Copyright (c) Geflüchtete und vertriebene Personen als Herausforderung für Schule und Unterricht https://www.inklusion-online.net/index.php/inklusion-online/article/view/594 <p>Startet man eine online Suche in einer der weltweit größten Suchmaschinen mit dem Schlagwort ‚Flüchtlingskrise‘ erhält man innerhalb kürzester Zeit (0,38 Sekunden) 1170000 Ergebnisse. Hätte man diese Schlagworte vor fünf oder gar zehn Jahren als Suchoption eingetippt, wäre die Anzahl der Ergebnisse wohl bedeutend geringer ausgefallen als heute. Dennoch zeigt sich, dass Erkenntnisse im Umgang mit geflüchteten oder vertriebenen Personen im österreichischen Schulsystem rar sind oder gänzlich fehlen. Aufgrund des raren Erkenntnisstandes rund um Geflüchtete oder Vertriebene im Schulkontext, welcher sogar als ‚blinder Fleck‘ in der Bildungsforschung kritisiert wird, setzt sich diese Forschungsarbeit zum Ziel eine 3-Ebenen-Analyse des österreichischen Schulsystems (i.e. Makro-, Meso- und Mikro-Ebene) durchzuführen. Hierzu wurde eine explorative Interviewstudie mit unterschiedlichen Vertretern des österreichischen Schulsystems (Ministeriumsmitarbeiter*innen, Fachinspektor*innen, Rektor*innen, Lehrer*innen) sowie mit geflüchteten Kindern und Jugendlichen (Fluchtzeit 2015 bis heute) selbst, bis hin zu deren Kommilitonen durchgeführt.</p> <p>Eine erhöhte Anzahl von geflüchteten und vertriebenen Personen wirkt auf Grund von rechtsstaatlicher Prinzipien auf das Schulsystem (i.e. Makro-Ebene) und in weiterer Folge auf die betroffenen Schulen (i.e. Meso-Ebene). Dies führt unweigerlich zu Herausforderungen bzw. Problemen, worüber sich das Schulsystem (bzw. die auf dieser Ebene handelnden Personen) bewusst sind und mit Hilfestellungen unmittelbar reagieren. Ungeachtet dessen, ob Hilfestellungen bereitgestellt werden oder nicht, bewirken die Herausforderungen Anpassungen bzw. Veränderungen, welche auf schulischer, fachspezifischer und individueller Ebene wirken. Diese Veränderungen gilt es zukünftig aus bildungspolitischer sowie inklusionspädagogischer Sicht vermehrt zu berücksichtigen.</p> <p>&nbsp;</p> Mag. Dr. Martin Kölbel Copyright (c) Situationsanalyse Autismus – empirische Perspektivierungen zwischen Ratgeberliteratur und pädagogischem Handeln https://www.inklusion-online.net/index.php/inklusion-online/article/view/592 <p>Die <em>Kategorie Autismus</em> stellt im Kontext Inklusiver Bildung ein kontroverses Feld dar: So wird einerseits die Vielfalt individueller Ausprägungen betont, zugleich jedoch werden – trotz steigender Diagnoseraten – selten Zweifel an der Angemessenheit der Diagnose sowie am schulisch-unterrichtlichen Umgang mit ihr geäußert (vgl. Platte, 2019). Da, ungleich zu Fragen von Förderung, die Herstellung der Kategorie Autismus bisher selten empirisch in den Blick gelangt, wird in diesem Beitrag eine <em>Situationsanalyse</em> – in Anlehnung an Clarke (2012) – entlang einer Komparation zweier Datensorten vorgenommen: Auf Basis von Ratgeberliteratur sowie von Interviewdaten, die im BMBF-geförderten Forschungsprojekt <em>»StiEL«</em> erhoben wurden, soll dabei die Frage gestellt werden, welches <em>Wissen</em> als relevant für den schulischen Umgang mit Autismus aufgerufen wird. Mit theoretischen Bezügen zur <em>kritisch-materialistischen Behindertenpädagogik </em>(Feuser, 2004) sowie <em>pädagogischen Professionalisierung </em>(Bohnsack, 2020) werden grundlegende Ambivalenzen der Kategorie Autismus herausgearbeitet und diskutiert.</p> Andreas Köpfer Katharina Papke Yannick Zobel Copyright (c) 2021 Andreas Köpfer, Katharina Papke, Yannick Zobel http://creativecommons.org/licenses/by/4.0 2021-05-11 2021-05-11 Vorerfahrungen und Grundhaltungen von Lehramtsstudierenden für einen inklusiven Fachunterricht – Konzeptionelle Folgerungen für die Lehrer*innenbildung in den Fächern Mathematik und Sport https://www.inklusion-online.net/index.php/inklusion-online/article/view/590 <p>Die Umsetzung eines inklusiven Schulsystems erfordert Weiterentwicklungen in den verschiedenen Phasen der Lehrer*innenbildung. Dabei können inklusionsbezogene Vorerfahrungen die Haltung und Arbeit angehender Lehrkräfte hinsichtlich einer heterogenen Schüler*innenschaft positiv beeinflussen. Der Beitrag beschreibt Vorerfahrungen und Grundhaltungen von Lehramtsstudierenden zu inklusivem Fachunterricht der Fächer Mathematik und Sport sowie erste Erkenntnisse des Projekts ‚Professionalisierung für Vielfalt – <em>ProViel</em>’. Für beide Fächer lassen sich konzeptionelle Folgerungen für die Lehrer*innenbildung ableiten, die der Profilierung eines inklusionsorientierten Lehramtsstudiums dienlich sind.</p> Petra Scherer Helena Sträter Ulf Gebken Doris Kluge-Schöpp Mirko Krüger Roxanne Motté Nele Zehn Copyright (c) Schulleistung, Verhalten oder Etikettierung? - Ein Forschungsüberblick zu Einflussfaktoren sozialer Ausgrenzung in inklusiven Grundschulklassen https://www.inklusion-online.net/index.php/inklusion-online/article/view/589 <p>Gelingende soziale Partizipation von Schülerinnen und Schülern mit sonderpädagogischem Förderbedarf (SFB) im Gemeinsamen Unterricht in inklusiven bzw. integrativen Grundschulklassen ist nicht nur für ein ganzheitliches Inklusionsverständnis grundlegend, sondern hat auch direkte Auswirkungen auf Schulleistung und Wohlbefinden. Allerdings betonen Studien (u.a. Huber &amp; Wilbert, 2012; Krawinkel, Südkamp &amp; Tröster, 2017; Krull, Wilbert &amp; Hennemann, 2018) eine deutlich häufigere soziale Ausgrenzung der Schülerinnen und Schüler mit SFB. Der vorliegende Artikel beschäftigt sich in Form eines systematischen Forschungsreviews (analysiert werden 35 Studien) mit der Frage, ob aus der aktuellen Studienlage Einflussfaktoren für den Primarbereich herausgearbeitet werden können, die mit der vermehrten sozialen Ausgrenzung von Schülerinnen und Schülern mit SFB zusammenhängen. Zudem wird ein Überblick über die verschiedenen Bereiche gegeben und diskutiert.</p> Traugott Böttinger Copyright (c) Inklusive Momente in Bildungsprozessen https://www.inklusion-online.net/index.php/inklusion-online/article/view/588 <p><strong>Abstract: </strong>Der Beitrag unterzieht die theoretische Grundlegung einer inklusiven Bildung durch das Konstrukt „Inklusive Momente“ (Ulrich Heimlich) einer kritischen Würdigung. Als inklusive Momente werden vom Autor Situationen verstanden, die durch Teilhabe und Teilgabe, durch Nehmen und Geben gleichermaßen geprägt sind. Die Widerrede macht dreierlei Kritikpunkte geltend. Erstens: Die durch die reziproke Dyade von Teilhabe und Teilgabe definierten inklusiven Momente machen nicht den paradigmatischen Kern inklusiver Bildungsprozesse aus; sie nehmen insbesondere nicht den dialektischen Charakter inklusiver Prozesse und Situationen wahr. Zweitens: Weil die bildungstheoretische Grundlegung durch inklusive Momente die Ebene der Schulstruktur vollständig und konsequent ausklammert, wird der Konzeptentwurf als unpolitisch, systemaffirmativ und herrschaftshörig gekennzeichnet. Drittens: Ein inklusiver Bildungsbegriff sollte vor allem als Bildung eines einzigartigen Subjekts verstanden werden. Inklusive Bildung kann entgegen bürgerlichen Vorstellungen grundsätzlich von allen Menschen, auch von Menschen mit kognitiven Einschränkungen erworben werden. Die inklusive Schule muss eine Individualisierung und Personalisierung der Bildung durch einen ziel- und angebotsdifferenten Unterricht ermöglichen. </p> Hans Wocken Copyright (c) 2020 Hans Wocken http://creativecommons.org/licenses/by/4.0 2021-01-07 2021-01-07 Inklusionsbezogene Studienanteile in der Lehrkräftebildung: zum Stand der Umsetzung anhand bildungspolitischer Entwicklungen und einer Befragung unter den Lehrkräftebildungszentren in Deutschland https://www.inklusion-online.net/index.php/inklusion-online/article/view/586 <p>Inklusion gilt spätestens seit 2009 als zentrale bildungspolitische Aufgabe, deren universitäre Umsetzung u.a. durch die „Gemeinsame Empfehlung von Hochschulrektorenkonferenz und Kultusministerkonferenz“ (2015) für eine „Lehrerbildung für eine Schule der Vielfalt“ festgeschrieben ist. Dabei ist jedoch weiterhin ungeklärt, in welcher Form und in welchem Umfang inklusionsorientierte Themen in die Lehrkräftebildung implementiert werden bzw. werden sollten. Auf Basis des bisherigen Wissens zur Umsetzung inklusionsorientierter und heterogenitätssensibler Studienanteile an deutschen Universitäten geht dieser Beitrag daher der Frage nach, wie sich die inklusionsorientierte Lehrkräftebildung in Deutschland derzeit gestaltet. Dafür wurden alle Zentren für Lehrkräftebildung in Deutschland (N=66) schriftlich dazu aufgefordert, die verpflichtenden Studienanteile zu den Themen Inklusion und Heterogenität zu benennen und ggf. zusätzliche Informationen zur Implementierung anzugeben. Die Ergebnisse legen nahe, dass die Entwicklung zur Umsetzung inklusionsorientierter Studieninhalte einen starken Schub in den letzten Jahren erfahren hat: An nahezu allen befragten Hochschulen existieren – wenn auch oft in geringem Umfang – Angebote zu Inklusion, die oft im Bereich der Bildungswissenschaften, seltener in den Fachdidaktiken und fast nie in den Fachwissenschaften angesiedelt sind. Gleichzeitig legen die Ergebnisse eine große Vielfalt in der Umsetzung nahe, sowohl in der begrifflichen Nutzung (Inklusion vs. Heterogenität), in der Vergabe von Leistungspunkten, in der Addition oder Integration von Studieninhalten, der Trennung oder Zusammenführung allgemeindidaktischer und sonderpädagogischer Inhalte oder in den unterschiedlichen Ausrichtungen einzelner Studiengänge im Hinblick auf das gegliederte Schulsystem in Deutschland. Die Vielfalt der gefundenen Angebote, bei gleichzeitig geringem Umfang, deuten darauf hin, dass noch kein bildungspolitischer Konsens darüber besteht, dass jede Schule eine Schule der Vielfalt sein sollte.</p> Julia Frohn Vera Moser Copyright (c) 2021 Julia Frohn, Vera Moser http://creativecommons.org/licenses/by/4.0 2021-05-11 2021-05-11