Reflexive Inklusion

  • Jürgen Budde
  • Merle Hummrich
Schlagworte: Inklusion, Exklusion, Intersektionalität, Partikularismus, Universalismus

Abstract

Inklusion ist zu einem bedeutenden Schlagwort der bildungspolitischen und praktischen Diskussion geworden. Dabei wird Inklusion zumeist mit der Forderung nach Teilhabe von Menschen mit Behinderungen konzeptioniert. Der Beitrag argumentiert, dass dieses Verständnis aus mehreren Gründen zu kurz gegriffen ist. Anhand strukturtheoretischer und allgemein-erziehungswissenschaftlicher Ansätze wird zum einen aufgezeigt, dass Inklusion notwendigerweise in einem unauflösbaren Spannungsverhältnis zu Exklusion steht und das Feld durch die Spannungslinie von Universalismus und Partikularismus konstituiert wird. Darüber hinaus weist auch eine schulpädagogische Sicht auf die blinden Flecken einer Engführung von Inklusion hin, da eine intersektionale Perspektive notwendigerweise aus dem Blick gerät. Am Ende skizziert der Beitrag das Konzept einer reflexiven Inklusion.

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Veröffentlicht
21.01.2014
Zitationsvorschlag
Budde, J., & Hummrich, M. (2014). Reflexive Inklusion. Zeitschrift Für Inklusion, (4). Abgerufen von https://www.inklusion-online.net/index.php/inklusion-online/article/view/193
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