Die Diagnostik von ‚Hilfsschulbedürftigkeit‘ – Eine historische Analyse des und Kritik am Magdeburger Verfahren
Schlagwörter:
Hilfsschule, Karl Tornow, Sonderpädagogik, Nationalsozialismus, Aufnahmeverfahren, Magdeburger VerfahrenAbstract
Der nachstehende Beitrag setzt sich mit einer historischen Variante von Diagnostik auseinander, nämlich dem Magdeburger Verfahren (1942). Dieses Verfahren wurde entwickelt, um zu bestimmen, ob Kinder auf die Hilfsschule überwiesen werden sollten oder nicht. Der historische Kontext, in dem das Magdeburger Verfahren entwickelt wurde, ist in zweierlei Hinsicht relevant: Zum einen veränderte die Sonderpädagogik – u. a. angebahnt durch Gesetzesveränderungen und disziplinpolitische Dynamiken – ihre Ausrichtung, sozusagen ein Paradigmenwechsel. Zum anderen wurden die Konsequenzen für bildungsunfähige Kinder und Jugendliche – der ‚eugenisch-rassenpolitischen‘ Ideologie der Nationalsozialisten folgend – gleichsam drakonischer. Um sich diesem schwierigen Themenkomplex anzunähern, fokussiert dieser Aufsatz auf zwei zentrale Fragestellungen, die er versucht durch eine Quellenanalyse des Magdeburger Verfahrens zu klären: (1) Wie wurde das Konzept der ‚Hilfsschulbedürftigkeit‘ im Magdeburger Verfahren definiert und von welchen alternativen Konstrukten grenzt es sich ab? (2) Wie – d. h. unter Zuhilfenahme welcher Wissensbestände und Professionen – wurde ‚Hilfsschulbedürftigkeit‘ diagnostiziert?
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